Montag, 4. Februar 2013
Petra Schier - Die Stadt der Heiligen
Kurzbeschreibung:
Christopherus, Dominikanermönch, Ablassverkäufer und Inquisitor, steht am 24. Dezember Anno 1411 am Grab seines Freundes Aldo am Jakobsweg bei Pamplona.Um das Versprechen einzulösen, das er seinem Freund gab, macht er sich auf den Weg nach Aachen. Dort sucht er die Mutter und die Schwester Aldos auf, um ihnen die Nachricht vom Tod des Sohnes und Bruders zu überbringen.
In Aachen steht zu dieser Zeit Anno 1412 die Heiltumsweisung an und die Stadt ist gefüllt mit Pilgern und Händlern von nah und fern. Tief betroffen vom Tod des Bruders ziehen in Marysas Haus gleich neue Schwierigkeiten ein. Zu Marysa, die seit einem Jahr mit dem Schreinermeister Reinhold Markwardt verheiratet ist, und ihrem Mann wird der Geselle Klas tot ins Haus gebracht. Er fiel im Dom einem Verbrechen zum Opfer. Reinhold wird dem Handel mit falschen Reliquien angeklagt und in Haft genommen. Marysa, die an eine Verschwörung glaubt, beginnt mit eigenen Nachforschungen. Aber sie hat mächtige Feinde und landet bald selber im Gefängnis....
Fazit:
"Die Stadt der Heiligen" ist das erste Buch der Aachener Trilogie von Petra Schier.
Auch wenn man Aachen nicht kennt, durch den flüssigen Schreibstil, der Zeit angepassten Wortwahl und die bildhaften Beschreibungen der Protagonisten fühlt man sich schnell in die Zeit von 1412 versetzt.
Mit Marysa hat die Autorin eine Person geschaffen, die sich gut in die damalige Zeit einfügt. Gerade zu der Zeit wurden die wenigsten Ehen aus Liebe sondern aus Vernunftsgründen geschlossen. Obwohl sie von ihrem Ehemann unterdrückt wird - alles was ihr Spaß bereitet wird verboten, sogar ihre Kleider werden von ihm ausgesucht - so findet sie doch langsam den Mut, mit kleinen bedachten Schritten, sich ihm zu widersetzen.
Auch der Handel mit Ablassbriefen und Reliquien, der zu dieser Zeit ein einträgliches Geschäft ist, wird dem Leser nahe gebracht.
Marysa macht es Christopherus nicht einfach den letzten Willen ihres Bruders Aldo zu erfüllen, und doch trägt Christopherus einen Großteil zu ihrer Entlastung bei.
Das Zusammenspiel der Protagonisten, die Macht und Geldgier, gerade von hohen geistlichen Würdenträgern, lassen die Spannung stetig ansteigen und die Seiten nur so dahinfliegen.
Mit der Lösung des Falls werden auch viele Geheimnisse gelüftet und das Ende ist sehr überraschend.
Ein lesenswerter historischer Roman, gespickt mit kriminellem Hintergrund, ein Muss für jeden Leser von historischen Romanen.
Am Ende des Buches stehen historische Nachbemerkungen über das Aachen im Mittelalter und zudem noch das Rezept von Marysas Lieblingsessen "Konkavelite", welches einer original mittelalterlichen Rezeptsammlung entnommen wurde.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen
Petra Schier - Die Stadt der Heiligen - Rowohlt Taschenbuch Verlag
Donnerstag, 31. Januar 2013
Nils Heinrich - Wir hatten nix, nur Umlaute
Kurzbeschreibung:
In seinem Buch: "Wir hatten nix, nur Umlaute. Meine Kreisstadtjugend mit Systemwechsel" erinnert sich Nils Heinrich an die Zeit, als Deutschland noch durch die Mauer in zwei mal Deutschland geteilt war.
Nils wuchs in dem beschaulichen Städtchen Sangerhausen in der DDR auf.
Fazit:
Frisch von der Leber weg lässt er den Leser an diesem Leben teilhaben.
In einer ganz normalen Durchschnittsfamilie aufgewachsen, seine 10jährige Schulzeit mit mäßigem Erfolg beendet stürzt er sich in eine Konditorenlehre, leider die einzige Lehrstelle, die er finden konnte. Amüsant, teilweise ironisch, beschreibt er die Lehrjahre, die auch im Osten keine Herrenjahre waren.
Von Luftverschmutzung und Geruchsbelästigungen, Röhrenfernseher und lange Wartezeiten auf ein Auto ( ca. 18 Jahre), bis hin zum historischen Herbst 1989 werden dem "Ossi" in Erinnerung gebracht und dem unwissenden "Wessi" beigebracht, da ja nicht jeder Verwandtschaft in der "Zone" hatte und über die Zu- und Umstände der dort lebenden Menschen im Unklaren war.
Schön geschrieben, frei von der allgemein wieder verbreiteten "Ostalgie" ist dieses Buch sehr unterhaltsam und für "Ossi" sowie "Wessi" lesenswert.
Aus dem "Blätterteig ziehendem" Konditor Nils aus dem Arbeiter -und Bauernstaat ist ein Kabarettist, Radiomoderator und Autor geworden.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen
Nils Heinrich - Wir hatten nix, nur Umlaute - Rowohlt Taschenbuch Verlag
Deborah Raney - Umwege des Herzens
Kurzbeschreibung:
An Thanksgiving geschieht in dem beschaulichen Städtchen Clayburn ein tragisches Unglück. Kaye und Rahel DeVore sterben an einer Kohlenmonoxidvergiftung und Douglas DeVore bleibt mit fünf Kindern zurück.
Vicky Valdez, die Leiterin der Kindertagesstätte, selber noch ungebunden, bemerkt, dass Doug, trotz Unterstützung seiner Schwiegermutter, mit seiner Arbeit und dem Alltag mit fünf Kindern überfordert ist. Immer öfter betreut sie die Kinder über die Öffnungszeiten der Kita hinaus. So kommen sich Vicky und Doug näher...
Fazit:
Da ich bereits "Die Nacht am Fluss" von Deborah Raney gelesen habe, war mir klar, es ist nicht nur eine "Liebesgeschichte", da steckt mehr dahinter.
Unfassbar für mich war, wie schnell Entscheidungen gefällt wurden, die im Alltag schnell zu Problemen wurden. Eine Tochter im Teenageralter, die offen rebellierte, eine junge Frau, die sich schnell als "Notlösung" fühlte, aber an ihrer Liebe zu Doug und besonders zu den Kindern festhielt.
Durch den Pastor der Gemeinde, dem Doug sich anvertraute und mit ihm lange Gespräche führte, kam die Wende und er wagte einen Neuanfang mit Vicky.
Die Autorin beschreibt die Situationen, Handlungen und Personen sehr real. Ich als Leser fühlte mich als stiller Beobachter eingebunden und war des öfteren versucht einzugreifen.
Auch in diesem zweiten Teil einer Trilogie, die man lesen kann ohne den ersten Teil zu kennen, lässt Deborah Raney, ganz unaufdringlich und dezent, christliche Aspekte einfließen.
Ein Buch mit Leseempfehlung von mir.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen
Deborah Raney - Umwege des Herzens Brunnen Verlag
Dienstag, 29. Januar 2013
Elisabeth Büchle - Winterstürme
Kurzbeschreibung:
Der Tierarzt Lukas Biber findet 1866 , in einer stürmischen Winternacht, eine halberforene junge Frau auf seinem Anwesen im Schwarzwald. Nachdem der Arzt Dr. Städler bei der jungen Frau, die sich an nichts erinnern kann, eine Amnesie diagnostiziert, wird ihr der Name Theresa gegeben.
Fazit:
Die Geschichte ist in zwei Handlungsstränge gegliedert und erzählt parallel die Geschehnisse um Theresa und um Thomas Wieland.
Bei Thomas Wieland, der als Spion für Österreich tätig ist, handelt es sich, wie dem Leser bald bewußt wird, um den Bruder von Theresa, die eigentlich Marika heißt.
Durch widrige Umstände, die in der Politik begründet sind, fiel Marika einer Verwechslung zum Opfer, denn der Anschlag galt ihrem Bruder Thomas. Seine Suche nach Marika führt nach Berlin, wo sich die Politik zu jener Zeit abspielt.
Theresa bleibt vorerst auf dem Gutshof von Lukas Biber und wird ihm eine unersetzliche Hilfskraft und hofft darauf, sich an ihr früheres Leben erinnern zu können.
In einem bildhaften und flüssigen Schreibstil bringt die Autorin die Geschichte dem Leser nahe.
Es fehlt nicht an Spannung, man wartet förmlich darauf, wie sich die Dinge entwickeln.
Gut beschrieben sind auch alle anderen Personen, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen. Mißgunst, Neid, Nächstenliebe und wahre Liebe, alles kommt zur Sprache und man ist erstaunt, zu welchen Handlungen Menschen hier fähig sind.
Die Wandlung des Lukas Biber, der langsam wieder am normalen Alltag teilnimmt und sein Herz für eine neue Liebe öffnet, ist gut herausgearbeitet.
Interessant sind auch die politischen Verhältnisse jener Zeit, die zu Beginn des Buches von der Autorin aufgeführt und erläutert werden.
Das Buch endet mit Worten von Dietrich Bonhoeffer:
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin - du kennst mich, dein bin ich, o Gott !
Für dieses Buch, das eine Leseempfehlung von mir erhält, sind es die richtigen Worte.
Winterstürme ist eine genehmigte Lizensausgabe für die Verlagsgruppe Weltbild GmbH und erschien als Originalausgabe unter dem Titel "Die Magd des Gutsherrn" bei GerthMedien.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen
Elisabeth Büchle - Winterstürme - Genehmigte Lizensausgabe für Verlagsgruppe Weltbild GmbH
Montag, 28. Januar 2013
Stephan Berg - ER: Die finsteren Winde dieser Welt
Kurzbeschreibung:
Als Einbrecher gejagt, als Drogendealer verfolgt, vom besten Freund verraten und in den Fängen der marokkanischen Drogenmafia. Aus der Bahn des Lebens geworfen, kaum mehr zu retten.
Doch dann erfährt sein Leben eine dramatische Wendung. Er lässt sich auf ein Wagnis mit dem lebendigen Gott ein.( Auszug aus dem Klappentext)
Fazit:
Schon als Jugendlicher aus der Bahn geworfen, die Schule abgebrochen, etliche Lehrstellen aufgegeben, mit achtzehn Jahren eine Familie gegründet, wenig bis kein Verantwortungsgefühl sich und denen gegenüber, die ihm als Familie nahe stehen - dafür aber als Einbrecher und Drogendealer unterwegs, mit einem Fuß immer im Gefängnis und die Mafia im Nacken, so lernt man in dieser wahren Geschichte den Autor Stephan Berg kennen.
Oft habe ich mich gefragt, wie kann ein Mensch so blind und wirklichkeitsfremd durchs Leben gehen? Sich ständig von falschen Freunden in den Abgrund reißen lassen? Alle gut gemeinte Hilfe in den Wind schlagen?
Als er im Gefängnis tiefere Einblicke durch die Bibel in Gottes Worte und Wirken bekommt, diese sogar an Mithäftlinge weitergibt - nach seiner Haftentlassung geraten sie wieder in den Hintergrund. Schnell nimmt er sein altes Leben wieder auf, Drogenhandel und Kontakte mit der Mafia bestimmen wieder seinen Alltag.
Sein Handeln und Denken kamen mir teilweise naiv vor; dachte er Gott würde Geld vom Himmel regnen lassen und er wäre seine ganzen Probleme los? Eigentlich dachte er nur in ausweglosen Situationen an Gott und erwartete Wunder von ihm.
Erst nach schlimmen Erfahrungen in Marokko fand sein Umdenken wirklich statt.
Begleitet durch gläubige und hilfreiche Menschen kam er auf den Weg zurück, den er bereits in seiner Jugend verließ. Erst da begriff er, dass es auch auf sein Handeln ankommt, er sich ändern muss um Gottes Gnade dauerhaft erfahren zu können.
Diese Ereignisse aus seinem Leben, die Stephan Berg in seinem Buch beschreibt, sind es wert gelesen und verbreitet zu werden. Sie zeigen auf, dass mit Gott immer zu rechnen ist, sofern sie es wollen, ihn erkennen und bereit sind Gott einen Platz in ihrem Leben einzuräumen.
Zitat ( Seite 273 ): ER liebt auch dich und macht keinen Unterschied bei den Menschen! Er sieht nicht auf das Äußere.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen
Das Buch ging durch einen Verlosungsgewinn in mein Eigentum über. Stephan Berg sandte es mir mit einer persönlichen Widmung zu.
Diese Ereignisse haben auf meine Beurteilung des Buches keinen Einfluss.
Stephan Berg - ER: Die finsteren Winde dieser Welt - Verlag Stephan Berg
Samstag, 19. Januar 2013
David Gregory - Die letzte Christin
Kurzbeschreibung:
Um Hilfe für ihr Dorf zu holen, das von einer mysteriösen Krankheit heimgesucht wurde, verläßt Abigail Caldwell , 34 Jahre alt, zum ersten Mal in ihrem Leben den Dschungel Neuguineas. Über die Ärztin Kate Sampson erhält Abigail eine Nachricht ihres Großvaters, die bereits 16 Jahre alt ist. Daraufhin beschließt sie nach Amerika zu reisen, in eine Welt, in der die Menschen keinen Bezug mehr zu Gott haben und der Fortschritt keine Grenzen kennt. Abigail bemerkt, sie ist die letzte Christin.
Fazid:
Anhand des Klappentextes wußte ich nicht, was mit dem Lesen des Buches auf mich zukam. Eigentlich sind Sience-Fiction nicht so meins, ebenso Dystopien, zu dem dieses Buch sich zählt.
Trotzdem habe ich nicht aufhören können, dieses Buch zu lesen.
Der uralte Traum der Menschheit vom ewigen Leben - wer träumte ihn nicht schon mal?
Doch wie hoch ist der Preis?
In diesen, im Amerika von 2088 spielenden Handlungen, wird aufgezeigt wie die Menschen sich in der Gesellschaft verändern, ihre Wertvorstellungen, ihre Einstellung zum Leben eine andere wird / ist.
In diese Welt gerät Abigail, sie die aus dem Dschungel kommt und noch nie ein Pferd oder eine Kuh gesehen hat, sie will die Menschen wieder zum Glauben an Gott führen.
Kein Mensch ist ohne Chipimplantat, sein Weg kann stets verfolgt werden.
Familien gibt es kaum mehr, denn Lebenspartnerschaften werden auf 10 Jahre abgeschlossen und meistens nicht verlängert.
Gehirntransplantationen sollen durch Kostenübernahme der staatlichen Krankenkassen für alle Menschen möglich werden.
Ist so ein Leben denn erstrebenswert ? Ein sogenannter Transmensch zu werden?
Programmiert von Fuß bis Kopf?
Auch wenn es heute möglich ist durch Organtransplantationen vielen Menschen das Leben zu retten, so hoffe ich dennoch nicht, dass sich diese Geschichte, die David Gregory so bildhaft geschrieben hat, je bewahrheitet.
Big brother is watching you.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen
David Gregory - Die letzte Christin - Brunnen Verlag
Dienstag, 15. Januar 2013
Sina Beerwald - Hypnose
Kurzbeschreibung:
Nach der Totgeburt ihres Sohnes Jonas bricht für die Journalistin Inka Mayer eine Welt zusammen und sie fällt in ein tiefes Loch. Hilfe sucht sie bei dem Psychiater Dr. Brinkhus. Durch Hypnose versucht er Inka zu helfen ihre schweren psychischen Störungen in den Griff zu kriegen.Da geschied in ihrem Freundeskreis ein eiskalter Mord. Ihre Freundin Annabel steht unter Verdacht ihren Ehemann Jannis ermordet zu haben. Auch Annabel ist bei Dr. Brinkhus in Hypnosebehandlung. Inka kann das Geständnis ihrer Freundin nicht so hinnehmen. In Inka erwacht die Journalistin, sie will der Sache auf den Grund gehen und gerät in einen Strudel aus Ereignissen, die sie nicht mehr steuern kann....
Fazit:
Sina Beerwald war mir bisher nur aus ihren historischen Romanen bekannt. Aber ich muß sagen, auch das Genre Thriller liegt ihr.
Zu Beginn der einzelnen Kapitel sind Textstellen aus dem Lied "Geboren um zu leben" von Unheilig und "Out of the Dark" von Falko aufgeführt, die ich als sehr passend empfand.
"Sie werden sich an nichts erinnern, was ich Ihnen gesagt habe, bis das Stichwort fällt, und dann werden sie Inka für mich töten." - Mit diesem Satz wird dem Leser schon im Prolog ein Schauer über den Rücken gejagt.
Langsam wird der Leser in die nun folgende Geschichte eingeführt.
Der Alltag von Inka, ihrem Mann Peter, der mit der Hypnosebehandlung seiner Frau nicht einverstanden ist, und dem Freundeskreis wird dem Leser sehr realistisch nahegebracht. Die weiteren Handlungen sind nie voraussehbar und das Ende war so nicht zu erwarten.
Halluzinationen und Panikattaken - Einbildung oder Wirklichkeit, Selbstverletzung oder Fremdeinwirkung - manchmal überschlagen sich die Ereignisse und man ist verwirrt.
Auf die Gefahren von Hypnose - wenn sie mißbraucht wird - wird auch hingewiesen, denn wer weiß denn, was mit ihm unter Hypnose geschieht.
Der Verlauf der Geschichte ist gut erzählt und spannend aufgebaut.
Bei ihren Recherchen für das Buch ließ sich Sina Beerwald selber hypnotisieren.
Nachdem ich dieses Buch gelesen habe bin ich in meiner Ansicht bestärkt worden, mich niemals hypnotisieren zu lassen.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen
Sina Beerwald - Hypnose - Heyne Verlag
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